DDR-Produkte – gab es ein typisch sozialistisches Design?

26 08 2011

Die Produkte in der DDR sollten langlebig und funktional-ästhetisch sein. Ob es allerdings ein typisch sozialistisches Design gab, soll ein Gespräch zwischen Iris Braun und dem ehemaligen Designer Günter Höhne auf der Plattform für Designtrends des Goethe-Instituts klären, welches ich nachfolgend zusammenfassen möchte.

Laut Herr Höhne zeichneten sich die Designer der DDR vor allem durch den großen Bezug zur tatsächlichen Produktion im Lande aus. Als Student der beiden großen Design-Hochschulen musste man damals ein längeres Praktikum machen und konnte sich dabei direkt vor Ort an den Möglichkeiten und am Bedarf der Kombinate orientieren. In der DDR hießen Designer früher übrigens Formgestalter.

Auf die Frage nach einem geförderten Einheitsdesign antwortet Herr Höhne, dass es seit Anfang der 70er Jahre das Amt für industrielle Formgestaltung (AIF) gab und sich daraus mehr und mehr eine Staatsindustriekultur mit kontrollierter Formgestaltung entwickelte. Materialsparende Großserien von möglichst langlebigen Produkten in nur wenigen Variationen wurden angestrebt. Da gab es die „Superfest“ Gläser und die omnipräsenten stapelbaren Stahlrohr-Stühle.

„Das war und ist gutes Design“, sagt Günter Höhne, „nur konnten wir es irgendwann nicht mehr sehen, weil es eben immer der gleiche Stuhl und das gleiche Glas war. Ob das aber jetzt  sozialistisches Design war? …gegen diesen Bergriff wehre ich mich immer “. Vielleicht war das einzig sozialistische am Design von DDR-Produkten, dass keine Werbung drauf war? Stapelbar und langlebig ist ja wohl eher nicht sozialistisch – denken wir bei ersterem nur mal an IKEA.

Auf die Frage von Iris Braun, ob man sich nicht gerade im Design gegen diese Vereinheitlichung hätte wehren können, antwortet Herr Höhne, dass das Design eben keine Priorität in der Politik hatte. Viele Menschen verstünden heute noch nicht den Hang, etwas exotisches oder witziges haben zu wollen. Es gab allerdings auch schöne und teils gewagte Gegenentwürfe zur offiziellen Linie, nur haben es diese Ideen nicht bis zur Massenproduktion geschafft.

Wenn die Design-Produkte ehemaliger DDR-Formgestalter den damaligen Funktionären zu „westlich“ anmuteten, dann konnte es für den Designer auch richtig ungemütlich werden. Wenn ein Formgestalter erst einmal dafür geschmäht wurde, „unsozialistische“ Produkte zu entwerfen, dann hat er sich davon nur schwer wieder erholt. Im sozialistischen Ausland wie in der CSSR gab es allerdings tolle Produkte und oft fuhren junge Menschen nach Prag um diese Waren zu kaufen.

Iris Braun fragt Herrn Höhne abschließend ob etwas vom „Geist der DDR-Formgestaltung“ übrig geblieben wäre und ob dieser noch zukunftsfähig ist. Günter Höhne sagt dazu: „ Ganz sicher ist es der schonende, sparsame Umgang mit Material und Ressourcen. Die Vorgabe, Produkte möglichst ökonomisch und ökologisch zu entwerfen, zu verpacken und zu verschicken, die sind ja topaktuell. Das, was man beim DDR-Produkt ja auch belächelt hat, dass es leicht und wenig aufwendig verpackt war, das ist es ja, was heute immer mehr Verbraucher fordern.“

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: